Bedford-Strohm: EU muss Seenotrettung organisieren

Operation "Sophia"

© Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Mission abgebrochen: Die Fregatte "Augsburg" übernahm noch 2018 den deutschen Anteil im Einsatz der Operation "Sophia" vor der Küste von Libyen.

Bedford-Strohm: EU muss Seenotrettung organisieren
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hält die Einstellung der Rettungsmission "Sophia" auf dem Mittelmeer für eine moralische Bankrotterklärung der Europäischen Union.

"Da wurden Zehntausende Menschen gerettet. Jetzt hat man diese Mission einfach eingestellt, ohne etwas Wirksames nachfolgen zu lassen", sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag).

Zudem sei es nicht hinzunehmen, dass zivile Rettungsschiffe in ihrer Arbeit behindert werden und die Geretteten nicht an Land dürfen. Wenn nicht alle EU-Staaten bei der Seenotrettung mitmachen, müssten die vorangehen, die helfen wollen, sagte der bayerische Landesbischof: "Die Menschenwürde gehört zu den Grundwerten Europas."

Die EU hatte im März beschlossen, den Einsatz von Schiffen auf dem Mittelmeer für die Operation "Sophia" gegen Schleuser und Menschenhändler zu beenden. An der Operation hatte sich seit 2015 auch die deutsche Marine mit Schiffen beteiligt. Die Beobachtung des Seeraums soll künftig aus der Luft erfolgen. Damit kann die EU auch keine Flüchtlinge zwischen Libyen und Europa mehr aus Seenot retten.

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